Soziale Projekte für 2019 gesucht
Soziale Projekte gesucht
Zu Silvester 2015 stellte ich mir die Frage was ich im nächsten Jahr erreichen möchte und wie es mit mir weitergehen soll. Ich war mittlerweile an den Zielen angekommen, die ich mir vorgenommen hatte. War German wedding master geworden und meine Selbstständigkeit lief sehr gut. Was nun? Im Zuge dieser Gedanken kam die Frage auf, wie ich auf mein Leben zurückblicken möchte, wenn ich alt bin. Ebenso die Frage was ich mir selbst für 2016 würde raten, wenn ich nochmal Teenager wäre. Diese beiden Fragen haben für mich viel Klarheit gebracht. Es gibt viel zu viele Dinge auf der Welt, die ich nicht mehr ertragen kann. Ich erinnerte mich an meine Großeltern, die nicht aktiv gegen die Ungerechtigkeit im zweiten Weltkrieg vorgegangen waren. Wie ich mich immer gefragt habe, wie man so viel Schlechtes zulassen kann ohne selbst aktiv zu werden. Und dass ich mir damals schon vorgenommen hatte so irgendwann mal nicht enden zu wollen. Dass meine Kinder und Kindeskinder mich fragen warum ich nichts getan habe. Nichts getan gegen Umweltverschmutzung, Armut, Ungleichheit, egal. Und noch am gleichen Abend buchte ich einen Flug nach Lesbos und leistete Nothilfe und wusste nicht, dass sich dort das Leben für mich für immer verändern würde.
Es war das erste Mal in meinem schönen Leben, an dem ich mit Menschen mit Todesangst zusammentraf. Eiskalte, nasse und unterkühlte Kinder trug, im Gefängnis Moria Kleiderspenden sortierte wie verrückt und trotzdem zu wenig hatte für all die nassen Menschen, die die Überfahrt mit dem Schlauchboot gewagt hatten. Ich musste Familien zusammenpferchen wie die Tiere, damit so viele wie möglich in den Containern schlafen konnten und nicht draußen liegen mussten. Wenn die Kapazität erreicht war, kontrollierte ich im Januar schlafende Kinder auf dem Betonboden weil in der Woche vorher ein Kind erfroren war. Noch heute erinnere ich mich an die Begegnungen und höre das Weinen der Menschen und den Geruch von Angst, Urin und Salzwasser.
Niemals zuvor hatte sich meine Arbeit so sinnvoll angefühlt. Ich arbeitet wie in Trance, funktionierte 18 Stunden Nachts und am Tag wie eine Maschine und half wo ich konnte. Bei der Abreise am Gate, kamen weitere Nachrichten von neuen, ankommenden Booten. Niemals fiel mir die Heimreise so schwer wie dort.
Wieder zuhause angekommen wurde mir klar, dass ich nicht mehr in mein normales Leben zurückkonnte und wollte.
Ich suchte mir eine neue Hilfsorganisation und ging in Trauma Kindergärten nach Jordanien und ins Zataari Camp und half dieses Mal nicht mit Rettungsdecken, sondern nur mit meinen Fotos + Videos sowie Interviews, die ich für die Hilfsorganisation aufnahm.
Im Frühjahr 2017 fuhr ich mit dem Rettungsboot Sea eye aufs Mittelmeer um Flüchtlinge zu retten. Die See war so rau, dass die Boote nicht bis zu uns kamen und die Menschen teilweise am Strand erschossen wurden weil sie nicht in die Boote steigen wollten.
Trotzdem bin ich froh, dort gewesen zu sein. Die Zeit mit den Seeleuten war ein wahnsinnig großartiges Erlebnis und hat mir gezeigt, wie unaufgeregt man sich der guten Sache verschreiben kann. Und wie ein gutes Herz ganz klare Antworten geben kann was man tun und nicht tun sollte. Ich bekam einen Crashkurs von der Ärztin von Ärzte ohne Grenzen und sollte im Notfall sie zusätzlich unterstützen. Ich lernte auch, dass ich über mich hinauswachsen kann und belastbarer bin. 3 Wochen rauer Seegang, weder richtig Kochen noch die Dusche funktionierte irgendwann bei 4m Wellen, Schichtdienst, Maschinenwartung, am Ende ein Maschinenschaden und Probleme bei der Heimreise.
Auf meinen Reisen begegne ich den außergewöhnlichsten Menschen die mich inspirieren und mein Leben immer wieder aufs neue verändern.
Nach dem Abendteuer Mittelmeer durfte ich das erste Mal für SOS Kinderdörfer nach Kroatien und 2018 dann nach Sri Lanka um deren wichtige Aufgabe zu fotografieren und Betroffene erneut zu interviewen. Gerade zuletzt in Sri lanka, stand ich in einem heruntergekommenen Haus und fotografierte das Zimmer eines Jugendlichen, der nun von SOS unterstützt wird. In dieser schäbigen Umgebung lächelte mich der Junge an und ich wusste, dass ich genau hierhin gehöre. Dass meine Bilder irgendwo auf der Welt einen Spender erreichen, der dafür sorgt, dass es diesem Jungen besser gehen wird.
Auf Facebook haben mir viele Menschen geschrieben wie schön meine Erlebnisse und Storys sind die ich veröffentliche. Dass sich Menschen mir anvertrauen und ich aufrichtig und emphatisch ihre Erlebnisse zusammen schreibe ohne zu werten oder zu plakatieren. Dass es der persönliche Zugang durch mich ist, der ihre Herzen berührt und nicht die Nachrichten oder Standardtexte von Organisationen.
Auch als ich nach Tunesien aufgebrochen bin um dort vorwiegend arbeitslose Jugendliche in Sachen Fotografie zu trainieren und Interviews zu führen habe ich gemerkt, wie sehr ich es genieße emotionale Gespräche zu führen und wie dankbar ich bin, dass sich die Menschen mir gegenüber so öffnen.
Ich brenne für die gute Sache und Soziale Projekte. Alle bisher gemachten Projekte sind ehrenamtlich gewesen. Auch die organisierten Ausstellungen oder Bücher, Blogeinträge mache ich von Herzen und ohne Bezahlung.
Ich arbeite extra viel wenn ich die Möglichkeit bekomme ein Projekt zu begleiten. Weil ich einfach an die Sache glaube und durch meine Selbstständigkeit sowieso ein hohes Arbeitspensum bevorzuge.
Es ist nun wieder ende des Jahres und ich frage mich wie es weiter gehen soll für 2019. Ich wünsche mir viele neue Auslandsprojekte. Ich kann nicht mehr ehrenamtlich arbeiten, weil meine Ersparnisse nun aufgebraucht sind. Aber ich hoffe, dass sich trotzdem für mich Optionen ergeben um weiter für die Gute Sache unterwegs sein zu können.
Ich suche immer Hilfsorganisationen oder Stiftungen die ich als Soziale Projekte unterstützen kann. Sei es mit meinen Bildern, Storys oder wenn Hand angelegt werden muss. Lebensmittelpakete verteilen, Nothilfe, Trainings für Fotografie, ich bin offen für alles was hilft.
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